Helene Einsiedl - Saxophon
Helene Einsiedl - Saxophon
Geschichte
Das Saxophon ist um 1840 von Adolphe Sax, einem belgischen Instrumentenbauer, erfunden worden. Es ist die Kombination aus einem Holzblas- (Mundstück mit Rohrblatt) und einem Blechblasinstrument (Körper aus Metall) und war ursprünglich für die Militärkapelle gedacht.
Nachdem das Saxophon in Brüssel nicht geschätzt wurde ging Sax 1842 nach Paris, wo er auf Hector Berlioz, der als Musikkritiker einen großen Namen hatte, traf. Sax stellte ihm das Saxophon vor und Berlioz zeigte sich höchst beeindruckt:
Das Saxophon: "Sein wichtigster Verdienst, meiner Meinung nach, ist die vielfältige Schönheit seines Tons, der manchmal ernst, manchmal ruhig, manchmal auch leidenschaftlich, träumerisch oder schwermütig ist, oder vage wie das schwache Echo eines Echos, wie die undeutlichen Wehklagen des sanften Winds in den Wäldern und, noch besser, wie die mysteriösen Schwingungen einer Glocke, lange nachdem sie geschlagen hat; mir ist kein anderes existierendes Instrument bekannt, das diese ungewöhnliche Klangfülle an der Grenze der Stille besitzt!"
1846 läßt Sax das Saxophon in Paris patentieren. Zu diesem Zeitpunkt hat er bereits eine ganze Insrumentenserie entwickelt: Sopranino, Soran, Alt, Tenor, Bariton, Baß und Kontrabaß, die abwechselnd in Bb bzw. Eb gestimmt sind.
Adolphe Sax, dessen eigentlicher Name Antoine-Joseph Sax war, wurde am 6. November 1814 in Dinant geboren und starb am 4. Februar 1894 in Paris.
Sax stammte aus einer belgischen Instrumentenbauerfamilie und wuchs sozusagen in der Werkstatt seines Vaters auf. Er war ein ehrgeiziger Schüler und hatte bereits in jungen Jahren eigene Klarinetten entwickelt. Sax war überdies ein sehr begabter Musiker auf seinen Instrumenten, es wurden viele Stücke für ihn geschrieben, die nach ihm keiner mehr aufführte, da sie als zu schwer erachtet wurden.
Als er 1840 das Saxophon erfand und in Brüssel die erhoffte Anerkennung nicht bekam, ging er 1842 nach Paris, Angebote aus London und anderen europäischen Städten sagte er ab.
1858 wurde Sax der erste Saxophonlehrer am Pariser Konservatorium. Die Klasse wurde aber bereits 1871 aus finanziellen Gründen wieder geschlossen. Es sollten 71 Jahre vergehen bis die nächste Saxophonklasse unter Marcel Mule, nämlich erst 1942, geöffnet wurde.
Von 1858 bis zu seinem Tod war Sax Direktor des Bühnenorchesters an der Pariser Oper.
Verwendung
In Frankreich und Belgien wurde das Saxophon zu Beginn in Militärkapellen, aber auch in der französischen Oper verwendet zB. in Kastner's "Le dernier roi de Juda" (1845). Bei Meyerbeer und Bizet war es wegen seiner Klangfarbe sehr beliebt für kurze Solo-Passagen.
Erst um 1890 wurde das Saxophon in Amerika durch J. P. Sousa bekannt. Er verwendete es in seinem Blasorchester.
Im Orchester wurde es Anfang des 20. Jahrhunderts in Richard Strauß' Symphonia domestica (1904), Ravels Bolero (1928), Prokofievs Lieutenant Kije (1933) und Romeo und Julia (1936), Brittens Billy Budd (1951), Schönbergs Von heute auf morgen (1930), um nur einige zu nennen, verwendet.
Einige der ersten Solokonzerte mit Orchester sind Debussys Rhapsodie (1901-08), Iberts Concertino da Camera (1935) und Glazounovs Concerto in Eb (1934).
Ebenso entwickelten sich Saxophonquartette, wobei das für die musikalische Entwicklung Wichtigste 1928 von Marcel Mule, nämlich das "Quatuor de la Garde Républicaine" in Paris, gegründet wurde. Zur selben Zeit etwa (1920/30) erlebte das Saxophon in Amerika einen gewaltigen Aufschwung. Es wurde in Jazz Bands und Big Bands eingesetzt und damit so bekannt, daß heute viele vergessen, daß das Saxophon ursprünglich für klassische Musik gebaut wurde.
Aus dieser Entwicklung heraus ist leicht zu verstehen, daß zwischen 1930 und 1960 fast keine amerikanischen klassischen Saxophonkonzerte komponiert wurden, französische hingegen wurden, und das haben wir zum größten Teil Marcel Mule zu verdanken, sehr viele geschrieben.
Komponisten jüngerer Generation, also der zweiten Hälfe des 20. Jahrhunderts, verwenden gerne die vielen möglichen Effekte am Saxophon. Mit Altissimo (Obertöne), Flatterzunge (ein rollender Klang), Growl (in das Saxophon hineinsingen), Doppelzunge, Multiphonic (Mehrklang), Slap (schnaltzendes Geräusch), Klappentriller (Triller ohne zu spielen), Resonanztriller (Triller mit der selben Tonhöhe) und Vierteltöne sollte jeder Saxophonist, der sich mit moderner Literatur beschäftigt, vertraut sein.
Sekundärliteratur
Empfehlenswerte weiterführende Literatur:
Eine ausführlichere Liste an Literatur mit Kommentaren und Bewertungen finden sie in meiner schriftlichen Prüfungsarbeit.
Hemke, Frederick L. "Early History of the Saxophone." Ph.D. Dissertation, University of Wisconsin, 1975.
Horwood, Wally. Adolphe Sax 1814-1894, His Life and Legacy. Bramley, England: Bramley, 1980.
Kochnitzky, Leon. Adolphe Sax and his Saxophone. New York: Belgian Government Information Center, 1949.
Kool, Jaap. Das Saxophon. Leipzig: Faksimile, 1931.
Rousseau, Eugene. Marcel Mule: His Life and the Saxophone. Wisconsin: Etoile, 1982.
Ventzke, Karl; Raumberger, Claus; Hilkenbach, Dietrich. Die Saxophone. Frankfurt am Main: Das Musikinstrument, 1979.
Saxophon
Geschichte - Verwendung - Sekundärliteratur - Links
LINKS
Erfindung, Verwendung und Entwicklung des Saxophons, eine kommentierte Bibliographie als pdf.
Dinant
Geschichtliches über Adolphe Sax' Leben und das Saxophon.
Effekte
Erklärung verschiedener Spieltechniken moderner Literatur
Saxophone Journale
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